
Bevor eine neue oder geänderte Trinkwasserinstallation verschlossen, gefliest und in Betrieb genommen wird, muss ihre Dichtheit nachgewiesen werden. Das ist nicht nur Qualitätssicherung, sondern auch Ihr Nachweis gegenüber Auftraggeber und Versicherung. Dieser Ratgeber zeigt, wann Sie mit Wasser und wann mit Luft oder Inertgas prüfen, wie die Prüfung abläuft, was ins Protokoll gehört und welche Fehler in der Praxis häufig passieren.
- Grundlagen: DIN EN 806-4 und das ZVSHK-Merkblatt zur Dichtheitsprüfung von Trinkwasserinstallationen beschreiben Verfahren und Prüfschritte.
- Luft oder Wasser: Liegt zwischen Prüfung und Inbetriebnahme mehr Zeit, ist aus Hygienegründen die Prüfung mit ölfreier Druckluft oder Inertgas zu bevorzugen.
- Zweistufig: Mit Luft folgt auf die Dichtheitsprüfung mit geringem Druck eine Belastungsprüfung.
- Dokumentation: Ein vollständiges, unterschriebenes Protokoll gehört zu jeder Prüfung.
Prüfen mit Wasser oder mit Luft?
DIN EN 806-4 sieht die Druckprüfung grundsätzlich mit Wasser vor, lässt aber nationale Regelungen für andere Prüfmedien zu. In Deutschland beschreibt das ZVSHK-Merkblatt die Prüfung mit Druckluft oder Inertgas. Der Grund ist die Hygiene: Eine mit Wasser gefüllte, aber noch nicht genutzte Installation ist eine klassische Stagnationssituation, in der sich Mikroorganismen vermehren können.
| Kriterium | Prüfung mit Wasser | Prüfung mit Luft oder Inertgas |
|---|---|---|
| Sinnvoll, wenn | Inbetriebnahme und regelmäßiger Wasseraustausch unmittelbar folgen | Zwischen Prüfung und Nutzung längere Zeit liegt, z. B. im Rohbau |
| Hygiene | Stagnationsrisiko, wenn die Anlage danach gefüllt steht | Anlage bleibt trocken, kein Stagnationswasser |
| Frost | Gefährdet bei Frost auf der Baustelle | Unkritisch |
| Füllwasser | Nur gefiltertes Trinkwasser verwenden | Ölfreie Druckluft oder Inertgas |
| Sicherheit | Geringe gespeicherte Energie | Hohe gespeicherte Energie, Belastungsdruck begrenzt |
Vorbereitung der Prüfung
- Abschnitt festlegen: Prüfen Sie abschnittsweise, solange Leitungen noch sichtbar und zugänglich sind.
- Bauteile abtrennen: Komponenten, die nicht für den Prüfdruck ausgelegt sind, wie Druckminderer, Sicherheitsventile, Speicher oder Ausdehnungsgefäße, vom Prüfabschnitt trennen.
- Offene Enden verschließen: Prüfstopfen bzw. Verschlusskappen statt Armaturen setzen. Unterputzkörper mit dem vom Hersteller vorgesehenen Prüf- oder Spülstopfen verschließen.
- Messgerät prüfen: Ein Manometer bzw. elektronisches Prüfgerät mit ausreichender Genauigkeit für den Druckbereich verwenden.
- Temperatur ausgleichen: Zwischen Befüllen und Prüfbeginn eine Wartezeit zum Temperaturausgleich einhalten, sonst verfälschen Temperaturänderungen das Ergebnis.
Armaturen werden sinnvollerweise erst nach Prüfung und Spülung montiert. So gelangen keine Späne oder Rückstände in Kartuschen, Thermostate oder Strahlregler.
Ablauf der Prüfung
Prüfung mit Luft oder Inertgas
Dichtheitsprüfung
Prüfung mit geringem Überdruck, typischerweise in der Größenordnung von rund 150 mbar laut Merkblatt. Die Prüfzeit richtet sich nach dem Leitungsvolumen. Während der Prüfzeit darf kein Druckabfall auftreten.
Belastungsprüfung
Anschließend Prüfung mit erhöhtem Druck im Bereich weniger bar, abhängig von der Nennweite. Sie weist die mechanische Festigkeit der Verbindungen nach.
Sichtkontrolle
Alle Verbindungsstellen kontrollieren, bei Bedarf mit schaumbildendem Lecksuchmittel, das für das Rohrsystem freigegeben ist.
Ergebnis protokollieren
Drücke, Zeiten und Ergebnis ins Protokoll übernehmen und unterschreiben.
Prüfung mit Wasser
Die Installation wird mit gefiltertem Trinkwasser luftfrei gefüllt und mit einem Prüfdruck beaufschlagt, der sich am zulässigen Betriebsdruck des Systems orientiert. Nach einer Stabilisierungsphase wird der Druckverlauf über die Prüfzeit beobachtet. Bei Kunststoff- und Verbundrohren ist das Dehnverhalten zu berücksichtigen, die Verfahren unterscheiden sich daher je nach Werkstoff.
Was gehört ins Prüfprotokoll?
Das Protokoll ist Ihr Nachweis. Fehlt es oder ist es lückenhaft, lässt sich im Schadensfall kaum belegen, dass die Installation dicht übergeben wurde.
- Bauvorhaben, Auftraggeber und ausführender Betrieb
- Geprüfter Abschnitt, Rohrwerkstoff und Verbindungssystem, Nennweiten bzw. Leitungsvolumen
- Prüfmedium: Wasser, ölfreie Druckluft oder Inertgas
- Prüfdrücke, Beginn und Ende der Prüfung, Prüfdauer
- Temperatur von Umgebung und gegebenenfalls Prüfmedium
- Verwendetes Messgerät
- Ergebnis (dicht oder undicht), festgestellte Mängel und deren Behebung
- Datum, Ort und Unterschriften von Prüfer und, wenn möglich, Auftraggeber
Bewahren Sie das Protokoll zusammen mit dem Spülprotokoll auf und übergeben Sie dem Betreiber eine Kopie. Das ist auch für spätere Fragen im Mietobjekt relevant, wie der Ratgeber Wasserschäden im Mietobjekt vorbeugen zeigt.
Typische Fehlerquellen
| Fehler | Folge | Abhilfe |
|---|---|---|
| Kein Temperaturausgleich | Scheinbarer Druckabfall oder -anstieg | Wartezeit vor Prüfbeginn einhalten |
| Undichte Prüfstopfen | Leck wird in der Leitung gesucht, liegt aber am Prüfaufbau | Stopfen und Prüfgerät vorab kontrollieren |
| Nicht verpresste Fittings | Spätere Leckage | Systeme mit Leckagefunktion nutzen, alle Verbindungen sichtprüfen |
| Wasserprüfung ohne zeitnahe Nutzung | Stagnation, Hygienerisiko | Bei längerer Standzeit mit Luft oder Inertgas prüfen |
| Armaturen bereits montiert | Schäden an Kartuschen, Schmutzeintrag | Armaturen nach Prüfung und Spülung montieren |
Nach bestandener Prüfung folgen Spülung und Inbetriebnahme. Wie Sie dabei vorgehen, beschreibt der Ratgeber Inbetriebnahme und Spülen einer neuen Trinkwasseranlage. Bei Arbeiten im Altbau mit unterschiedlichen Werkstoffen lohnt außerdem ein Blick auf den Beitrag Mischinstallation im Altbau.
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Häufige Fragen
Muss eine Trinkwasserinstallation mit Wasser geprüft werden?
Nein. Nach dem ZVSHK-Merkblatt ist auch die Prüfung mit ölfreier Druckluft oder Inertgas möglich. Sie wird empfohlen, wenn zwischen Prüfung und Inbetriebnahme längere Zeit liegt, weil so kein Stagnationswasser in der Anlage steht.
Welcher Prüfdruck gilt bei der Prüfung mit Luft?
Typisch ist eine Dichtheitsprüfung mit geringem Druck in der Größenordnung von rund 150 mbar und eine anschließende Belastungsprüfung mit wenigen bar, abhängig von der Nennweite. Verbindlich sind die aktuelle Fassung des Merkblatts und die Herstellerangaben.
Sollten Armaturen vor der Druckprüfung montiert werden?
Besser nicht. Setzen Sie Prüfstopfen und montieren Sie Armaturen erst nach Prüfung und Spülung. So schützen Sie Kartuschen und Thermostate vor Schmutz und Überlastung.
Was muss im Druckprüfprotokoll stehen?
Unter anderem Bauvorhaben, geprüfter Abschnitt, Werkstoff und System, Prüfmedium, Prüfdrücke und Prüfzeiten, Temperatur, Messgerät, Ergebnis sowie Datum und Unterschriften.
Fazit
Die Druck- und Dichtheitsprüfung ist Pflichtschritt vor jeder Inbetriebnahme. Wählen Sie das Prüfmedium nach dem zeitlichen Abstand zur Nutzung, bereiten Sie den Prüfabschnitt sorgfältig vor und dokumentieren Sie alle Werte vollständig. Konkrete Drücke und Zeiten richten sich nach der aktuellen Fassung des ZVSHK-Merkblatts, DIN EN 806-4 und den Vorgaben des Systemherstellers.
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Hinweis: Dieser Ratgeber gibt einen allgemeinen Überblick und ersetzt weder Normen und Merkblätter noch eine Rechtsberatung. Genannte Werte sind typische Größenordnungen. Maßgeblich sind die aktuell gültigen Fassungen von DIN EN 806-4, des ZVSHK-Merkblatts zur Dichtheitsprüfung und die Angaben der Rohrsystemhersteller.