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Handwerk

Inbetriebnahme und Spülen einer neuen Trinkwasseranlage

Inbetriebnahme und Spülen einer neuen Trinkwasseranlage
  • Ratgeber · Installation
  • Lesezeit: ca. 7 Min.
  • Aktualisiert: Oktober 2026

Nach bestandener Dichtheitsprüfung ist eine neue Trinkwasserinstallation noch nicht übergabebereit. Späne, Fett, Dichtmittelreste und Partikel aus der Bauphase müssen ausgespült werden, bevor Armaturen und Geräte in Betrieb gehen. Dieser Ratgeber fasst zusammen, wie Sie nach DIN EN 806-4 und dem ZVSHK-Merkblatt zum Spülen vorgehen, worauf es bei der Reihenfolge ankommt und wie Sie die Anlage hygienisch sicher an den Betreiber übergeben.

Auf einen Blick
  • Grundlagen: DIN EN 806-4 und das ZVSHK-Merkblatt zu Spülen, Desinfizieren und Inbetriebnahme beschreiben die Verfahren.
  • Zwei Verfahren: Spülen mit Wasser oder mit einem Wasser-Luft-Gemisch, abhängig von Nennweite, Verschmutzung und Leitungsführung.
  • Vorher ausbauen: Strahlregler, Durchflussbegrenzer, Brauseköpfe und empfindliche Einsätze entfernen oder Spülstücke setzen.
  • Zeitnah nutzen: Zwischen Spülen und Nutzungsbeginn darf kein langer Stillstand liegen, sonst drohen Stagnationsprobleme.

Warum muss eine neue Trinkwasseranlage gespült werden?

Während der Bauphase gelangen zwangsläufig Fremdstoffe in die Leitungen: Metallspäne vom Ablängen, Reste von Dichtmitteln oder Flussmitteln, Staub und Partikel aus offenen Rohrenden. Im Betrieb setzen sich diese Stoffe in Kartuschen, Thermostaten, Rückflussverhinderern und Strahlreglern ab. Typische Folgen sind tropfende Armaturen, schwankende Temperaturen und Reklamationen kurz nach der Übergabe.

Hinzu kommt die Hygiene. Ablagerungen bieten Mikroorganismen eine Oberfläche, und Wasser, das nach dem Füllen lange in der Leitung steht, verliert seine Trinkwasserqualität. Eine saubere Spülung und ein zeitnaher Nutzungsbeginn sind deshalb Grundvoraussetzungen für den bestimmungsgemäßen Betrieb.

Spülen mit Wasser oder mit Wasser-Luft-Gemisch?

Kriterium Spülen mit Wasser Spülen mit Wasser-Luft-Gemisch
Prinzip Spülen mit hoher Fließgeschwindigkeit Intermittierende Zugabe von Druckluft erzeugt starke Turbulenzen
Einsatz Kleinere Anlagen, z. B. Ein- und Zweifamilienhäuser Größere Nennweiten, stärkere Verschmutzung, wenn die Fließgeschwindigkeit mit Wasser nicht erreichbar ist
Ausrüstung Ausreichende Zahl geöffneter Entnahmestellen Spülgerät mit Kompressor und Steuerung
Aufwand Gering Höher, dafür gründlichere Reinigung

Welches Verfahren notwendig ist und welche Mindestfließgeschwindigkeiten und Spülzeiten gelten, legen die aktuelle Fassung des ZVSHK-Merkblatts und DIN EN 806-4 fest. Für Rohrsysteme mit Herstellerauflagen gelten zusätzlich deren Vorgaben.

Vorbereitung

  • Dichtheitsprüfung abgeschlossen: Gespült wird erst nach bestandener und protokollierter Prüfung, siehe Druck- und Dichtheitsprüfung.
  • Filter einsetzen: Der mechanische Filter hinter der Wasserzähleranlage sollte vor dem Spülen eingebaut und danach kontrolliert bzw. rückgespült werden.
  • Empfindliche Bauteile schützen: Strahlregler, Durchflussbegrenzer, Brauseköpfe und Siebe ausbauen. Thermostat- und Unterputzkörper mit den vom Hersteller vorgesehenen Spülstücken versehen.
  • Geräte überbrücken: Speicher, Durchlauferhitzer, Wasserbehandlungsanlagen und Druckminderereinsätze nach Herstellerangabe absperren oder überbrücken.
  • Abwasser sicherstellen: Alle Entnahmestellen müssen die Spülwassermenge sicher ableiten können.

Reihenfolge beim Spülen

Gespült wird abschnittsweise, damit in jedem Abschnitt die nötige Fließgeschwindigkeit erreicht wird. Bewährt hat sich folgender Ablauf:

  1. Am Hauptabsperrventil beginnen

    Die Spülung startet an der Hausanschlussseite, die Hauptverteilung wird zuerst gespült.

  2. Strangweise vorgehen

    Stränge nacheinander spülen, beginnend mit dem Strang, der dem Hauptabsperrventil am nächsten liegt.

  3. Geschossweise von unten nach oben

    Innerhalb eines Strangs die Entnahmestellen geschossweise öffnen, jeweils von der nächstgelegenen zur entferntesten.

  4. Kalt- und Warmwasser getrennt

    Kalt- und Warmwasserleitungen sowie die Zirkulation jeweils für sich spülen.

  5. Rückbau und Endmontage

    Spülstücke entfernen, Funktionseinsätze, Strahlregler und Armaturen montieren, Filter kontrollieren.

  6. Spülprotokoll erstellen

    Verfahren, Abschnitte, Spüldauer, Entnahmestellen und Ergebnis dokumentieren und unterschreiben.

Übergabe und Einweisung des Betreibers

Mit der Übergabe geht die Verantwortung für den bestimmungsgemäßen Betrieb auf den Betreiber über. Eine strukturierte Einweisung schützt beide Seiten.

  • Unterlagen übergeben: Druckprüf- und Spülprotokoll, Bedienungs- und Wartungsanleitungen, Bestandspläne.
  • Stagnation vermeiden: Erklären Sie, dass alle Entnahmestellen regelmäßig genutzt werden müssen. Nach gängigen Hygieneempfehlungen sollte das Wasser spätestens alle 72 Stunden ausgetauscht werden. Bei längerem Leerstand ist eine Spülroutine nötig.
  • Warmwassertemperatur: Auf die Temperaturen nach DVGW-Arbeitsblatt W 551 hinweisen, als allgemein bekannte Richtwerte 60 °C am Speicheraustritt und 55 °C im Zirkulationsrücklauf.
  • Wartung: Filter regelmäßig rückspülen oder wechseln, Sicherungseinrichtungen nach DIN EN 806-5 warten lassen.
  • Absperrungen zeigen: Hauptabsperrung und Strangabsperrungen gemeinsam mit dem Betreiber begehen.

Für Vermieter und Betreiber größerer Anlagen gelten zusätzliche Pflichten. Einen Überblick gibt der Beitrag Legionellen und Hygiene für Hotels und Vermieter. Typische Fehler beim Armaturenanschluss nach der Spülung beschreibt der Ratgeber Montagefehler bei Armaturen.

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Spülgeräte und Werkzeug führt mysani nicht. Für die Endmontage nach dem Spülen finden Sie im Shop Badarmaturen, Küchenarmaturen, Duscharmaturen sowie Strahlregler und Mischdüsen. Ersatzteile wie Kartuschen sind nicht für jede Armatur vorrätig; fragen Sie im Zweifel über das Kontaktformular an.

Häufige Fragen

Wann wird mit Wasser-Luft-Gemisch statt nur mit Wasser gespült?

Vor allem bei größeren Nennweiten, starker Verschmutzung oder wenn mit Wasser allein die erforderliche Fließgeschwindigkeit nicht erreicht wird. Die Kriterien legen DIN EN 806-4 und das ZVSHK-Merkblatt in der aktuellen Fassung fest.

Müssen Strahlregler vor dem Spülen ausgebaut werden?

Ja. Strahlregler, Durchflussbegrenzer, Brauseköpfe und Siebe werden vor dem Spülen entfernt, damit sich keine Partikel darin festsetzen. Thermostate und Unterputzkörper erhalten die vom Hersteller vorgesehenen Spülstücke.

In welcher Reihenfolge wird eine Trinkwasseranlage gespült?

Abschnittsweise, beginnend am Hauptabsperrventil, Strang für Strang und innerhalb eines Strangs geschossweise von unten nach oben, jeweils von der nächstgelegenen zur entferntesten Entnahmestelle.

Was gehört zur Übergabe an den Betreiber?

Druckprüf- und Spülprotokoll, Bedienungs- und Wartungsanleitungen sowie eine Einweisung zu regelmäßiger Nutzung aller Entnahmestellen, Warmwassertemperaturen, Filterwartung und Absperrungen.

Fazit

Eine fachgerechte Spülung schützt Armaturen vor Schmutz, Ihren Betrieb vor Reklamationen und den Betreiber vor Hygieneproblemen. Prüfen, spülen, Funktionsteile montieren, dokumentieren und einweisen: In dieser Reihenfolge übergeben Sie die Anlage sauber. Maßgeblich sind die aktuell gültigen Fassungen von DIN EN 806-4, dem ZVSHK-Merkblatt und die Herstellerangaben.

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Hinweis: Dieser Ratgeber gibt einen allgemeinen Überblick und ersetzt weder Normen und Merkblätter noch eine Rechtsberatung. Genannte Temperaturen sind allgemein bekannte Richtwerte. Maßgeblich sind die aktuell gültigen Fassungen von DIN EN 806-4, DIN 1988, DVGW W 551, der Trinkwasserverordnung und die Herstellerangaben.

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